Projekt Umwandlung

Leben, Sterben, Tod, Trauer

Begriffe, die Fragen zu grundlegenden Themen unseres Daseins initiieren können. Angehende GestalterInnen im Handwerk und AbsolventInnen der Werkakademien aus Hannover und Kassel erarbeiteten in einem 3- wöchigen Workshop Ideenansätze zum Oberbegriff „Umwandlung“. Nach dem inhaltlichen Einstieg im Museum für Sepulkralkultur Kassel durch den stellvertetenden Leiter Herrn Gerold Eppler schlossen sich Besuche der Künstlernekropole Kassel und des Krematoriums in Kassel an. Informationen über die aktuelle gesellschaftliche Relevanz des Todes und des Totengedenkens und die persönlichen Grabgestaltungen bedeutender Künstler erweiterten die Sicht und Offenheit zum Thema.

Gemeinschaftsprojekt Umwandlung - Werkakademie Kassel und Hannover - Museum für Sepulkralkultur Kassel

Körper
Materie
Seele
Geist
Räume
Rollen

All diese Bereiche im Kontext von Sterben, Tod und Trauer sind durch verschiedene Aspekte der Umwandlung gekennzeichnet. Ein Projekt mit Ideenansätzen, Modellen, und Objekten, die die Vielfalt gestaltenden, zeitgenössischen Handwerks auch an den Übergängen zu Kunst und Design deutlich machen.

  • Umwandlung - Eva Müller - Urne

    Abb.1

  • Umwandlung - Malte Kuhrau - Die Wende

    Abb.2

  • Umwandlung - Kirsten Klabunde - Familienaufstellung

    Abb.3

  • Umwandlung - Isabelle Schüller - Transpforte

    Abb.4

  • Umwandlung - Matthias Schlitt - Die Umwandlung des Spursteins

    Abb.5

  • Umwandlung - Gerd M. Theiss - Die Gegenüberstellung

    Abb.6

  • Umwandlung - Dominik Beeger - Das Maß aller Dinge

    Abb.7

  • Umwandlung - Eröffnung - Vernissage 08.05.2015

    Abb.8

Abbildung 1:
Eva Müller - Urne - Buchenholz, ganzer Stamm, gedrechselt.
So individuell diese Frage zu beantworten ist, so individuell ist auch der Einfluss eines Menschen auf sein Umfeld. Gedanken, die ein Mensch in die Welt streut, werden in den Köpfen derer, die ihn umgeben aufgenommen, und in eigene, neue Gedanken umgewandelt. Die Arbeit stellt die Übertragung dieser Gedanken in eine Gestalt dar. Das Profil eines Menschen, das um eine innere Achse rotiert, bestimmt die äußere Form der Urne.

Abbildung 2:
Malte Kuhrau - Die Wende - Neun Stadien des Sterbens
Die Aufteilung in neun Ereignisse, die eine Reihenfolge bilden, beschreibt die stattfindende Umwandlung auf biologischer Ebene. Dabei ist jeder weitere Schritt das Resultat des vorherigen, genau wie das Sterben das Resultat des Lebens ist. Die Arbeit ist das Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem Begriff Umwandlung im Bezug auf das Sterben und dem daraus enstandenen Wunsch den Tod zu begreifen. Sie ist der Versuch eines sachlichen Erklärungsmodells und entzieht sich bewußt dem sozialen und emotionalen Kontext, der sich im Gegensatz zur „Biologie des Sterbens“ bei keinem Menschen gleichsetzen lässt. Sterben - ist etwas, auf das wir uns verlassen können.

Abbildung 3:
Kirsten Klabunde - Familienaufstellung
Der Stuhl symbolisiert in seiner Funktion das soziale Gefüge einer Familie. Hier kann man zur Ruhe kommen und erfährt Stabilität und Sicherheit. Jedes Mitglied ist ein Teil des Ganzen. Wenn eine Lücke entsteht, müssen die Rollen neu verteilt werden. Somit kann der Verlust durch die Neuordnung ausgeglichen werden. Trotzdem wird immer deutlich bleiben, dass etwas fehlt. Das Objekt beschreibt eine Momentaufnahme und soll den Menschen Anerkennung schenken, die es trotz des persönlichen Verlustes schaffen, die eigene Balance und innere Stärke wieder zu finden, um anderen Kraft zu geben.

Abbildung 4:
Isabelle Schüller - Transpforte
Der griechische Mythos des Fährmannes, der die Toten gegen einen Obolus in das Totenreich befördert, wird hier modern interpretiert und auf die heutige Gesellschaft übertragen. Die Arbeit thematisiert den Tod in Verbindung mit Kosten – die entstehen oder präventiv geleistet werden. Eine durchaus schwere Zeit, in der man eigentlich nicht zusätzlich mit Geldsorgen belastet werden möchte. Ist es da nicht ironisch, dass in diesem Fall der Gott der Unterwelt auch der Gott des Reichtums ist? Was kostet der Tod und kann ich ihn auch in Raten zahlen? Was ist der Tod wert? Und kann ich es mir leisten zu sterben?

Abbildung 5:
Matthias Schlitt - Die Umwandlung des Spursteins.
[...]Umwandlung: amorph zu strukturiert - chaotisch zu geordnet. Der Spurstein ist nicht nur Skulptur sondern auch Werkzeug. Mit Farbe bestrichen und über Papier gewalzt wird er zum Druckstock. Er erzeugt einen Druck, welcher den Bewegungsablauf - der den Stein geschaffen hat - sichtbar macht. Wird der Spurstein im Sand abgerollt, entstehen - je nach Lage der Drehachse - unterschiedliche Spuren. Gießt man diese mit Gips oder Beton aus, entstehen neue Skulpturen, die wiederum als Werkzeug dienen und neue Formen schaffen. Die Umwandlung nimmt ihren Lauf.

Abbildung 6:
Gerd M. Theiss - Die Gegenüberstellung
Das Bild beschreibt die Verbindung, den unlösbaren Zusammenhang und die Abhängigkeit von Tod und Leben. Das eine Gesicht in lebensfrohen Farben, kraftvoll und bunt, pulsierend, warm, lebhaft bewegt, vital, reich an Leben und Erfahrung ... Dem gegenüber steht das dunkle, düster wirkende, unbewegt tote, kraft- und farblose Gesicht. In der rotierenden Anordnung der Pole von Leben und Tod entsteht ein Energiefluss, der die Umwandlung des Zustandes – dem Kreislauf von Leben und Tod darstellt.

Abbildung 7:
Dominik Beeger - Das Maß aller Dinge
Schwerpunkt der Arbeit ist die symbolhafte Darstellung der Umwandlung des menschlichen Körpers nach dem Tod. Als Grundlage dient die Darstellung des vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci, der in Größe und Proportionen für den vollkommenen Menschen steht. Der Ring symbolisiert den Kreislauf des Lebens. Er umschreibt die Maße des menschlichen Körpers inseiner Vollkommenheit. Durch die Materialdicke und dem Kreisdurchmesser wird im Inneren eine Scheibe definiert, die dem Volumen eines durchschnittlichen Menschen entspricht. Der Würfel, der anhand des vitruvianischen Menschen an der Stelle des Herzens positioniert wurde, ist im Gegensatz zum Kreis ein Symbol für das Endliche und zeigt damit die Verbindung zwischen Leben und Tod. Das Volumen des Würfels entspricht den Überresten des Leichnams nach der Einäscherung und macht in der Gegenüberstellung deutlich, was von einem Menschen, der schon von dem griechischen Philosophen Protagoras als „Das Maß aller Dinge“ bezeichnet wurde, nach dem Tod übrig bleibt.

Abbildung 8:
Ausstellungseröffnung
Lutz Schell-Peters (Leiter der Werkakademie für Gestaltung Hessen) begrüßt die Besucher der Ausstellung.

Während des gesamten Projektes wurden die TeilnehmerInnen durch die DozentInnen Gerhard Merkin aus Hannover und Astrid Waltenberg bzw. Norbert Städele aus Kassel in ihrer Arbeit begleitet.

Objekte aus dem handwerklichen Segment mit starkem Anwendungsbezug sowie auch aus dem Übergangsbereich zur Kunst bildeten ein breites Spektrum an Arbeiten, die im Rahmen der Daueraustellung in den Räumen des Museums für Sepulkralkultur Kassel bei der hervorragend besuchten Vernissage im Mai präsentiert wurden.

Projekt Umwandlung

Ausstellungsstück: „Das Maß aller Dinge“ von Dominik Beeger auf der Terasse des Museums für Sepulkralkultur. Von li. nach re.: Rüdiger Tamm (Leiter der Werkakademie für Gestaltung und Design im Handwerk Niedersachsen e.V.), Gerold Eppler (stellv. Leiter des Museum für Sepulkralkultur, Kassel) Studenten der Werkakademien Kassel und Hannover mit Astrid Waltenberg (Dozentin an der WAH) Dominik Beeger und rechts Lutz Schell-Peters (Leiter der Werkakademie für Gestaltung Hessen)